Attac Berlin
Gneisenaustraße 2 a
10961 Berlin
An die Vorsitzende des Rates
der Evangelischen Kirche in Deutschland
Frau Bischöfin Dr. Margot Käßmann
Herrenhäuser Str. 12
30419 Hannover Berlin, 19. Januar 2009
Sehr verehrte Frau Dr. Käßmann,
als Teil der Friedensbewegung möchte das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC – Berlin Sie in Ihrer klaren Haltung gegen den Krieg in Afghanistan unterstützen und Ihnen für Ihre Ausführungen zu diesem Thema in Ihrer Predigt zum Neujahrstag ausdrücklich danken. Sie haben dazu aufgerufen, gegen das „abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen“ von Alternativen zu reden. Stattdessen fordern Sie „mehr Phantasie für den Frieden“ in Afghanistan.
Da sich anlässlich Ihres Kanzelwortes sowohl an Ihren Ausführungen als auch an Ihrer Person eine heftige Debatte entzündet hat, möchten wir, die Unterzeichnenden, Sie in Ihrer engagierten Haltung bestärken.
Die deutsche Außenpolitik ist seit Jahren von einer dramatisch zunehmenden Militarisierung geprägt. Galt die Präsenz deutscher Soldaten im Ausland noch zu Zeiten der Wiedervereinigung als unumstößliches Tabu, wurde die Öffentlichkeit nach und nach an eine Realität gewöhnt, in welcher der Kriegsfall zum Normalfall geworden ist. Ob unter dem Vorwand „humanitärer Einsätze“ oder dem „Kampf gegen den Terror“: Deutschland befindet sich seit Jahren im Krieg.
Angesichts der bevorstehenden Afghanistan-Konferenz wird der Ruf nach immer mehr Soldaten laut. Auch ein verstärktes deutsches Engagement wird in diesem Zusammenhang gefordert. Dem widersprechen wir entschieden. Acht Jahre Krieg und permanente Aufstockung des Militärs haben die Situation in Afghanistan nur verschlechtert. Wir stimmen Ihnen zu, wenn Sie sagen: „Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan.“ Im Mittelpunkt der Bemühungen müssen die Bedürfnisse der Zivilgesellschaft stehen und nicht geostrategische Interessen äußerer Mächte. Afghanistan braucht internationale zivile Hilfe, Kriege hat es schon genug.
Die jüngsten Ereignisse, wie die Bombardierung der Tanklastzüge, zeigen, dass in Afghanistan ein erbitterter Krieg geführt wird und auch der deutsche Einsatz zivile Opfer fordert. Statt an der Spirale der Gewalt zu drehen, muss entschieden nach einer zivilen Strategie und einem schnellstmöglichen Rückzug gesucht werden.
Wir, die unterzeichnenden Aktivistinnen und Aktivisten aus dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac Berlin, möchten Sie und die Evangelische Kirche in Deutschland dazu ermutigen, sich auch weiterhin laut und vernehmlich gegen eine Ausweitung des Krieges in Afghanistan einzusetzen. Ihr Kanzelwort und Ihre standhaften Äußerungen in verschiedenen Medien haben uns wichtige Anstöße für unsere eigene friedenspolitische Arbeit gegeben.
Bitte wissen Sie uns in Ihrem Engagement an Ihrer Seite.
Mit freundlichen Grüßen
Attac Berlin
Jens-Martin Rode
Barbara Fuchs
Michael Luchte
Peter Wahl
Andreas Fischer
Carl-Friedrich Waßmuth
Wilfried Pürsten
Elfriede Krutsch
Ilse Bührmann
Karin Seiffert-Abuzied
Barbara Hähnchen
Klaus Ihlow
Anette Henßler
Georg Redeker
Uwe Dietrich
Brigitta Pöhler
Ulla Putze
Roswitha Stengel
Norbert Kollenda
Christian Noack
Brigitte Sandig
Heinrich Göres
Lony Ackermann
Wolfgang Fabricius
Siegrun Bofinger
Andreas Fischer
Dorothea Härlin
Adi Bloch-Härlin
Robert Morgenstern
Johanna Erdmann
Thomas Gastmann
Urs Kleinert
Carl Waßmuth
Laura Valentukeviciute