Handfeste Proteste gegen Atomkraft

(Text: Jens-Martin Rode; Photos: Klaus Ihlau, Elke Röder)

Zusammen mit mehr als 120.000 Menschen demonstrierte Attac am 24. April bei der „Anti-Atom-Kette“ für einen konsequenten Atomausstieg. Auf einer Strecke von 120 Kilometern zwischen den beiden Kraftwerken Brunsbüttel und Elmshorn stand somit auf jedem Meter ein Mensch. Das ist Rekord und setzt ein deutliches Zeichen: die beiden Reaktoren, die hier verbunden wurden, dürfen nie wieder ans Netz gehen! Auch zu den gleichzeitig stattfindenden Aktionen „Biblis umzingeln“ und der Großdemonstration in Ahaus kamen Zehntausende. Der bundesweite Protesttag war somit ein voller Erfolg.

Auch Attac Berlin hat die Sache in die Hand genommen. Nach vier Kinoveranstaltungen zur Mobilisierung und dem Protest gegen Laufzeitverlängerung am Vattenfall Halbmarathon ging es mit einem von insgesamt gut 20 Bussen Richtung Elmshorn. Wegen Verzögerungen beim Start konnte Attac Berlin das geplante Ziel „Dorfreihe Fleihen“ in Schleswig Holstein leider nicht mehr rechtzeitig anfahren. So konnte der Bus gerade noch die letzten Minuten der Kette in Elmshorn erreichen. Nicht jede Erwartung an den Protesttag wurde somit erfüllt. Doch wurde das Publikum zum Teil durch ein ausgewähltes Bühnenprogramm entschädigt. „Dota die Kleingeldprinzessin“ gab auch gegen den engen Zeitrahmen einige Zugaben.

imageDass diese Menschenkette zustande kam, ist das Ergebnis eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses. Attac hatte im Vorfeld der Kette mobilisiert und war im Trägerkreis vertreten. Bei der Menschenkette Hand in Hand mit z.B. Umweltgruppen, Gewerkschaften und auch den Parteien? Das war angesichts der bevorstehenden Landtagswahl in NRW nicht für jeden selbstverständlich. So brachte es Alexis Passadakis von Attac als einer der Hauptredner in Elmshorn auf den Punkt. Mit deutlichen Worten kennzeichnete er die Verstrickungen von Vertretern verschiedener Parteien mit der Atomwirtschaft. Davon waren auch diejenigen nicht ausgenommen, die an diesem Tag hier demonstrierten.

image Atomkraft ist gefährlich und teuer. Niemand weiß, wohin mit dem Müll. Das hat sich auch bei Attac herumgesprochen. Doch versteht sich Attac mit der eigenen energiepolitischen Arbeit deshalb nicht als reine Anti-Atom-Gruppe. Attac setzt sich für eine allgemeine Energiewende ein. Denn das Thema Atomkraft steht in einem größeren Zusammenhang: die größte Herausforderung für die zukünftigen Generationen besteht im Klimawandel. Dieser wird das Schicksal vieler Menschen vor allem der ärmeren Länder der Erde künftig bestimmen. Die großen Stromkonzerne in Deutschland sind Mitverursacher dieser Krise. Als Betreiber sowohl der Atom-, als auch der Kohlekraftwerke stehen sie einer dringend benötigten Energiewende entgegen. Sie sind es, die immer wieder behaupten, es ginge nicht ohne Kohle und Atom.

imageDoch es gibt bereit Beispiele und Ansätze für eine ganz andere Energieversorgung: BürgerInnen kaufen ihren Stromversorger, Stadtwerke werden rekommunalisiert, Häuslebauer produzieren mit Solardächern bereits mehr Strom, als sie selbst verbrauchen, einst hochsubventionierte Landwirte schaffen als „Energiewirte“ regionale Wertschöpfungskreisläufe, zahlreiche Regionen setzen Maßstäbe für autonome Versorgungskonzepte auf Basis von 100% erneuerbaren Energien und in vielen Gegenden laufen für die Energieversorger die Konzessionsverträge aus. Wie wäre es denn, wenn nicht nur Privatpersonen, sondern ganze Gemeinden kollektiv den Atomausstieg selber machen?

Die Zukunft der Energieversorgung ist konzernfrei, dezentral, sozial, ökologisch und vor allem demokratisch kontrolliert. Der Klimawandel wird nicht auf Konferenzen aufgehalten, sondern an der Basis. Dies gilt besonders in den Ländern, die ihn maßgeblich verursachen. Deshalb werden auch in Zukunft AktivistInnen von Attac Bündnisse eingehen im Kampf gegen Stromkonzerne, Kohle und Atom. Ob diese immer Eventcharakter haben müssen oder so groß angelegt sein werden, wie dieser Aktionstag, ist offen. Entscheidend ist dauerhafter Protest und ein dichtes Netz von AktivistInnen, Initiativen und Aktionen vor Ort.

In diesem Sinne: Tschüss Vattenfall!

Immer auf dem laufenden über die Energie AG unter:  http://attacberlin.de/ags/energie/

und: http://kruemmelmonster.wordpress.com/

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