Beim Stadtbad Fürth „Fürthermare“ handelt es sich um das klassische Beispiel eines fehlgeschlagenes Projekts in so genannter öffentlich-privater Partnerschaft. Dem PPP-„Investor“ droht die Pleite. Die Leistungen des Stadtbad werden enorm eineschränkt, die Schliessung droht. Die Stadt muss die Miete aber weiter bis zum Ende der Laufzeit zahlen. Zusätzlich muss die Stadt weiteres Geld dafür ausgeben, um einen Normalbetrieb des Bades wieder zu erreichen. Dazu greift sie dem Investor massiv unter die Arme. Das Fürther Wasserbündnis, das bereits 2005 erfolgreich die Privatisierung des Abwassersystems in Fürth verhindert hatte, hakt in der Sache Fürthermare nach:
Erweiterter Fragenkatalog zum Offenen Brief des Fürther Wasserbündnisses an Oberbürgermeister und Stadtratsfraktionen – wie beim Treffen der Vertreter des WB am 26. April 2010 mit OB und Vertretern der infra übergeben.
Ein Darlehen von 18 Millionen € sollte der private Betreiber aufnehmen, 13 Millionen € die infra. Tilgung von Darlehen und Zinsen für beide Darlehen sollte allein durch die infra erfolgen. In den nächsten 30 Jahren sollte sie eine Summe von 1,8 Millionen € jährlich an beide Banken zurück zahlen.
Laut FN soll die Stadt Fürth nach 30 Jahren ihr eigenes Bad für eine Ablösesumme von 9,8 Millionen € zurück bekommen.
An dem mehr als zweistündigen Gespräch haben als Vertreter von Stadt und infra der OB, Herr Partheimüller und Herr Greul sowie von Seiten des WB die Herren Lefrank, Ruchte und Stadlbauer teilgenommen.
Der OB und Herr Greul haben sich bemüht, die 11 Einzelfragen unseres Offenen Briefes vom 17. Februar zu beantworten. Sie waren gut vorbereitet. Wir haben versucht, so weit möglich, auch Antworten auf die Detailfragen aus der erweiterten Fragensammlung von Herrn Dr. Müller/Frau Dr. Heilmaier zu erhalten.
Wir haben die Offenlegung des Vertrags mit der TFB und die Offenlegung der aktuellen Kostenrechnung spezifiziert nach FM und einzelnen Bädern gefordert. Das ist prinzipiell möglich, wurde aber wegen des privatwirtschaftlichen Unternehmenscharakters abgelehnt. Damit bleiben viele Fragen offen.
Der OB hat verstanden, dass die Öffentlichkeit umfassend, aber dennoch einfach und verständlich informiert werden will, was die vertraglichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge des PPP-Projektes Fürthermare sowie dessen Insolvenz angeht. Er hat sich bereit erklärt, ein Informationsblatt hierzu in einem entsprechenden Medium zu veröffentlichen, z. B. Stadtzeitung. Wir haben darauf hingewiesen, dass so etwas von Anfang an hätte erfolgen sollen.
Wir haben eine Kopie unseres erweiterten Fragenkatalogs übergeben und erklärt, dass wir den Katalog auch an die Fraktionen im Stadtrat senden wollen, damit dort entsprechende Anfragen gestellt werden können.
Wir haben die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit des Hallenbads am Scherbsgraben für den normalen Schwimmbetrieb angesprochen, ebenso die unerschwinglichen Eintrittskosten im FM für finanziell schwächere BürgerInnen. Der OB hat zugesagt, wegen der Verbesserung der Hallenbadnutzung umgehend bei der Regierung von Mittelfranken zu intervenieren. Er ist sicher, dass er eine Verbesserung erreichen kann. Er wird demnächst dazu öffentlich informieren. Möglichkeiten zum verbilligten Eintritt im FM für finanziell schwächer gestellte BürgerInnen sollen geprüft werden.
Wir haben angekündigt, dass das WB die Fraktionen im Stadtrat zu einem Antrag auffordern wird, in dem verlangt wird, dass PPP-Projekte, bei denen das Risiko in erster Linie bei der Kommune liegt, in Zukunft verboten werden. Der OB hält es für nicht unwahrscheinlich, dass ein solcher Antrag im Stadtrat eine Mehrheit erhält.
1. Wir haben immer noch mehr Fragen als Antworten, aber das ist die Folge des privatwirtschaftlichen Charakters eines PPP-Projektes. Das WB ist der Ansicht, dass es sich beim deutschlandweit einmaligen Projekt, der Privatisierung aller Bäder einer Stadt, um ein klassisch gescheitertes PPP-Projekt handelt, bei dem die Risiken allein bei der Öffentlichkeit liegen.
2. An dem Vertrag mit der TFB ist nichts mehr zu ändern, der die infra zwingt, 30 Jahre lang mindestens 1,8 Mio € Kredittilgung und Zinsen zu bezahlen. Darüber hinaus sind alljährlich erhebliche zusätzliche Kosten zu erwarten, die jetzt von der Kommune getragen werden müssen.
3. Das WB ist mit diesen Ergebnissen nicht zufrieden, aber der Ansicht, dass es erreicht hat, was für das WB realistisch möglich war. Das Gespräch mit OB und infra-Vertretern verlief in offener und konstruktiver Atmosphäre. Damit ist zu erwarten, dass gemeinsam einige Verbesserungen der Situation erreicht werden können.
Mit den oben beschriebenen Aktionen will das Wasserbündnis seine Initiative zum PPP-Projekt Fürthermare zunächst abschließen.
Fürth, den 27. April 2010 Peter A. Lefrank