Dossier Hamburg

Elbphilharmonie

Mitgeteilt von Conny Hönsch


Die Hamburger SPD will den Kostenbluff beim Bau der Elbphilharmonie beweisen - und während sich bisherige Baukosten-Skandale in politischem Radau erschöpften, könnte das gelingen.
Dieser Untersuchungsausschuss könnte weitreichende Konsequenzen für öffentliche Bauten in Deutschland haben. Denn die parlamentarische Aufarbeitung der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie, die die Hamburger SPD jetzt beschlossen hat, will eine beliebte Praxis beim Bau von Renommee-Projekten beleuchten, deren Erfolg leider davon abhängt, dass sie geheim bleibt: Die Unterdrückung realis0tischer Kostenschätzungen von öffentlichen Bauten in der Entscheidungsphase, um die Zustimmung für spektakuläre Projekte zu erreichen.
Wahrheit und Gewinn stehen nicht immer im Einklang
Von der Sydney-Oper bis zum Bundeskanzleramt gilt für zahlreiche architektonische Juwelen, die aus Steuermitteln bezahlt wurden: Wären die finalen Belastungen am Anfang bekannt (bei der Oper das Vierzehnfache, beim Kanzleramt „nur“ mehr als das Doppelte), sie wären vermutlich nie in dieser Form beschlossen worden. Vertraulich leugnen weder Architekten noch Baufachkräfte oder Politiker, dass außergewöhnliche Gebäude nur über solche Kostenlügen umzusetzen sind, aber als bestätigte Meldung würde dies Wissen das Projektbegräbnis als Drucksache herbeiführen. Wahrheit und kultureller Gewinn stehen leider nicht immer in Einklang.
Der Segen der Sachzwänge
Das Bild, das Tschentscher von Ole von Beust hier malt, ähnelt dem eines absolutistischen Fürsten, der seine Schlösser ohne Rücksicht auf die Staatskasse in Pracht erbauen lässt. In einer Republik verteilen sich die Verantwortlichkeiten aber doch breiter, und deswegen steht in Hamburg von Mai an nicht nur ein Bürgermeister am Pranger, sondern die gängige Praxis. In stillschweigender Erwartung, dass kein Politiker den Gesichtsverlust einer Bauruine erträgt, spekulieren Bauunternehmer und Architekten auf den Segen der Sachzwänge. Wenn dieses Vorgehen einmal als Regel bewiesen ist, wird es in Zukunft ungleich schwerer, Unterstützung für das Besondere zu finden. Und das ist der Teufelsfuß an dieser Wahrheitsfindung.

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/home/attacberlin/httpdocs/ppp-irrweg/data/pages/projekte/uebersicht/dossier_hamburg.txt · Zuletzt geändert: 21.05.2010 21:24 von carl.w
 
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