Aktivisten von attac und "Bahn für Alle" zeigten vor der Bilanzpressekonferenz der DB AG, wie die positiven Bilanzzahlen bei genauerem Hinsehen platzen wie Luftballons. Als Investoren verkleidete Demonstranten zogen aus einer von Hartmut Mehdorn gehaltenen Bilanzkiste Schautafeln, die darstellen, dass die DB AG Strecken und Arbeitsplätze abgebaut, aber Preise, Vorstandsgehälter und die Zahl der Langsamfahrstellen erhöht hat.
"Kurzfristige Gewinne werden mit massiven, mittel- und langfristig wirkenden Verschlechterungen erkauft. Diese werden den Steuerzahlenden, den Beschäftigten und den Bahnkunden aufgebürdet. Insbesondere leidet die Substanz der Bahn", erklärte Knierim, Bahnexperte beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac, einem der 15 Träger des Bündnisses "Bahn für Alle". Seit 1994 seien 6.000 Streckenkilometer abgebaut, 600 Bahnhöfe geschlossen und fast 60.000 Weichen und Kreuzungen herausgerissen worden. "Damit wird Flexibilität aufgegeben und das Netz anfälliger für Verspätungen", sagte Knierim.
Die ausgewiesene Kapitalrendite komme vor allem zustande durch zu niedrig angegebenes Anlagevermögen. "Durch öffentliche Gelder finanzierte Neubauten werden nicht bilanziert. Bei Verkäufen von Immobilien wird oft mehr eingenommen als in der Bilanz steht ", kritisierte Knierim. Die 2007 für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag verkauften 490 Bahnhofsgebäude seien in der Bilanz lediglich mit 15 Millionen Euro geführt worden.
Gewinne der vergangenen Jahre seien zum Teil erzielt wurden, in dem zuvor angelegte Rückstellungen aufgelöst wurden. 2002 betrugen die Rückstellungen etwa 14 Milliarden Euro, 2006 nur noch 6,3 Milliarden Euro.
Gewinn macht die DB AG vor allem mit dem Nahverkehr - also mit öffentlichen Aufträgen für Bahnverkehr. "Den Gewinn, den heute der Bund erhält, hat er zuvor als Zuschüsse ausgegeben. Falls die DB AG zum Teil privatisiert wird, würde der Bund nur noch die Hälfte dieses Gewinns erhalten, aber weiter voll zahlen", kritisierte Jürgen Mumme von der Umweltorganisation Robn Wood, einem weiteren Träger von "Bahn für Alle". Der Bund gebe dieses Geld zu Recht für Bahnverkehr im Allgemeinwohl aus. "Die Gewinne dürfen keinesfalls an Private fließen", forderte Mumme.
Ausführliches Dossier zur DB-Bilanz 2007 privatisierungstoppen.deinebahn.de/download/BfA_Bilanz-Dossier_2007.pdf
Druckfähige Fotos der Aktion zum Download privatisierungstoppen.deinebahn.de/story/73/273.html
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