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18.10.06 19:00 Alter: 5 yrs
Rubrik: Bahn für Alle

Einladung zum attac Cinema im attaCafé


PROGRAMMÄNDERUNG für 18.10. attaCafé Cinema:

Um bei den nächsten beiden Filmterminen den Protagonisten bzw.
Regisseur mit dabei zu haben, zeigen wir jetzt im Oktober

"WEISSE GEISTER - DER KOLONIALKRIEG GEGEN DIE HEREROS"
     Erstausstrahlung:  Montag, 2. August 2004, um 22Uhr40
     im ARTE - Themenabend über deutsche Kolonialgeschichte.

Mit dabei:     ISRAEL KAUNATJIKE,
In Martin Baers Dokumentarfilm machen sich der Regisseur und sein
Protagonist Israel Kaunatjike auf eine gemeinsame Reise nach Namibia.

Im November wird dann bei der Vorführung des Films "Patrice Lumumba - Mord in Kolonialstil" der Regisseur, Thomas Giefer dabei sein.

EINIGE INFORMATIONEN ZUM FILM
     "Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel
und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die
Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten
die Bibel und sie das Land."

     Desmond Tutu
     Friedensnobelpreisträger und früherer Erzbischof von Kapstadt

     Anlässlich des 100. Jahrestages des Kolonialkriegs in Südwestafrika,
dem heutigen Namibia, im Jahr 2004 will der Film "Weisse Geister - Der
Kolonialkrieg gegen die Herero" dieses dunkle Kapitel deutscher
Kolonialgeschichte in Afrika beleuchten und nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit fragen. Geht es allein um finanzielle Entschädigung oder muss sich Wiedergutmachung politisch umfassender gestalten? Gerade weil Entschädigungszahlungen nur bedingt wiedergutmachen, muss ihre Symbolkraft erkennbar sein, meint der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, Autor des Buches "Die Last des Erinnerns. Was Europa Afrika schuldet - und was Afrika sich selbst schuldet". Dabei sei es wichtig, so Soyinka, Verantwortung zu übernehmen und eine Erinnerungspolitik zu betreiben, die dem Vergessen eine offensive Auseinandersetzung mit der historischen Realität entgegenstellt. Die Verbrechen müssen dokumentiert und die Folgen für die Mentalität auf beiden Seiten aufgedeckt werden.

Der Film:
     In Martin Baers Dokumentarfilm machen sich der Regisseur und sein
Protagonist Israel Kaunatjike auf eine gemeinsame Reise nach Namibia.
Israel, ein Herero, wurde in Okahandja, dem Hauptort der Herero geboren. Er
hat über zwei Drittel seines Lebens im Exil verbracht. Viele Jahre hat er
gegen die Apartheid gekämpft und ist immer noch politisch engagiert. Er lebt
in Berlin und hatte im Rahmen der Recherchen zu diesem Film herausgefunden,
dass er auf sehr persönliche Weise weit mehr mit der Vergangenheit zu tun
hat, als er bislang wusste. Denn bei seinen Nachforschungen und während der
Drehreisen hat sich bestätigt, was über Jahrzehnte ein gut gehütetes
Familiengeheimnis war und worüber er in den Gesprächen mit Martin Baer erst
nach einer Weile reden konnte. Israel Kaunatjike hat zwei deutsche
Grossväter. Beide seiner Grossmütter bekamen Kinder von deutschen Soldaten
der "Schutztruppen".


     Ob diese Schwangerschaften aufgrund von Vergewaltigungen zustande
gekommen sind, wird sich im Einzelnen nicht mehr herausfinden lassen.
Ähnlich wie während anderer militärischer Auseinandersetzungen gab es auch
in diesem Kolonialkrieg sog. comfort women. Ein heikles Thema für tausende
von Namibiern, denn diese von den deutschen Herren offiziell verbotenen und
verpönten "Verbindungen" mit den "Eingeborenen" war eine gängige Praxis desKolonialismus: "Sexsklaverei". Andererseits hat es auch andere, wie immer
geartete Beziehungen zwischen den Menschen gegeben, auch wenn das offiziellverboten war.

     Israel Kaunatjike

     Wesentlich ist für Israel Kaunatjike die Frage nach der Identität. Wer ist überhaupt Namibier, wer Deutscher, wer Herero? Für ihn ist das ein wichtiges Thema. Als Herero im Apartheid-Südwestafrika geboren, hat er mehr Zeit in Berlin als in Afrika verbracht. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder leben in Deutschland. Nach der Logik deutschen Abstammungs- und Staatsangehörigkeitsrechts ist Israel Deutscher. Die vielen Nachkommen der deutschen Kolonialisten unter den Völkern Namibias (und in den anderen ehemaligen deutschen "Schutzgebieten") könnten im Prinzip die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Für sie ist die Geschichte des Kolonialismus nicht vorbei. Ihre helle Haut erinnert sie ständig daran, dass sie nicht einfach nur Afrikaner sind. Für sie ist die Erinnerung an die Kolonialzeit Teil einer sehr persönlichen Geschichte.

     Israel Kaunatjike auf dem Waterberg

     Auch Regisseur Martin Baer ist im Rahmen der Recherchen völlig unerwartet mit der eigenen, familiären Vergangenheit in Berührung gekommen:
Einige seiner väterlichen Vorfahren, die einst als Siedler nach Deutsch-Südwest gekommen waren, leben bis heute in Namibia und Südafrika.

     Der Bruder seiner Urgrossmutter, Joachim Friedrich Gotthelf Cranz, war einer jener Siedler in "Südwest", über die er in seinen Recherchen für den Film so viel gelesen hatte. Viele der Nachkommen dieses Urgrossonkels leben heute in Namibia, manche in Südafrika. Einige sind immer noch Farmer.

     Der Regisseur war über die Geschichte seiner Großmutter auf diesen unbekannten Familienzweig gestossen. Sie hatte Anfang der 50er Jahre für eine Weile die Farm ihres Onkels in Namibia verwaltet. Im Film versucht auch Martin Baer, der eigenen Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Die Identitätssuche ist das übergreifende Thema des Films. Der Umgang mit der
Vergangenheit ist direkt und subjektiv gefärbt.

WEITERE INFORMATIONEN unter: baerfilm.de